Donnerstag, 5. Juli 2018

Radcore Extrem

Der Name hat nicht nur Style sonder er drückt genau das aus was man an dem Tag erlebt.

EXTREMES RADFAHREN

Dabei dachte ich schon der Ötztaler wäre hart gewesen.
Aber von Anfang, obwohl ich gar nicht mehr genau weis wie ich auf diese verrückte, krasse und sehr familiäre Veranstaltung aufmerksam geworden bin. Ich glaube ich habe es auf Kathrin Fuchs Facebook Seite gesehen, wie sehr sie davon geschwärmt hat.
Als ich mir die Beschreibung durchließ (klick hier) wusste ich sofort das ist etwas für uns.
Ich habe zwar immer noch Momente wo ich überlege warum ich dieses Hobby überhaupt mache, denn ich will mich eigentlich gar nicht anstrengen. Aber dann setzt der Gedanke bei mir aus und ich melde Marko, mich und Stefan kurzerhand an und buche die Verpflegung und das Hotel gleich mit. Wir gönnen uns ja sonst nichts.

Veranstaltet wurde das ganze vom Team Radcore Sonneberg  bzw. vom Jan Wiedemann - Paracycling  und dem Rennsteighotel-Herrnberger-Hof bzw. Restaurant-Pfeffermühle.

Samstag sollte es für die Freiwilligen schon zum Steilschwein (steilste Straße Deutschlands) gehen.
Leider hatte Marko Nachtschicht und so konnten wir erst später anreisen.
Mein Plan war eh die Jungs alleine rauf zu schicken damit sie für Sonntag etwas entkräftet sind.


Im Hotel eingecheckt sprangen wir direkt auf die Räder.
Das Steilschwein musste ja wenigstens begutachtet werden und eine Bratwurst / Kuchen wollten wir uns vor dem Abendbrot auch noch gönnen.
Doof für mich war nur das diese leckeren Dinge oben am Berg standen.
So konnte ich meine 11-36 Kassette, die mir Marko extra noch gekauft und angebaut hat, direkt testen. Fast 26% sind einfach sausteil, aber wenn dich eine Meute von Leuten anbrüllt und anfeuert gibt man sich nicht die Blöße abzusteigen. Ich trat das Steilstück hoch, dafür brannte mir die Lunge Abends immer noch.





SCH....E ABER IRGENDWIE GEIL. 




Abends gab es ein dickes schmackhaftes Buffet. Wir kugelten uns vollgefressen ins Bett damit wir um halb fünf wieder zum Frühstücksbuffet frisch waren.
So richtig verdaut war das Abendessen noch nicht aber die vielen leckeren Dinge die Morgens aufgetischt wurden mussten einfach alle mal probiert werden.



Um 6 Uhr war Start, es ging erstmal hinter dem Begleitfahrzeug ein paar Kilometer bergab. Bei geschmeidigen 1-3 Grad warst dann auch direkt wach und die eingefrorenen Finger bekamst du so schnell auch nicht mehr vom Lenker ab.
Dann rein in den ersten Anstieg um direkt zu merken booooooaahh vielleicht doch zu viel gegessen. Egal einfach strampel und nach Luft japsen. Die Lunge war von gestern noch leicht überfordert.

Die 60 Teilnehmer verstreuten sich und ich fühlte mich direkt allein.
Marko reduzierte seine Geschwindigkeit und redete mir erstmal gut zu und gab mir Anweisung zum Atmen.
"Tief ein und wieder aus"
Ok es ist nur ein normaler Sonntag und ich habe einfach einen schönen Tag mit Marko, Stefan und Karsten. Kathrin Fuchs und Ricarda schlossen sich uns auch noch an.
An der ersten Abzweigung merkten wir das es ohne Routing mit Garmin doch nicht so gut geht.
Da sind wir von den Marathons und RTF´s doch ganz schön verwöhnt.


Die Landschaft drumherum war wirklich traumhaft und auch wenn´s in den Abfahrten sehr frisch war, kam mir das kühle Wetter mit der prallen Sonne in den Anstiegen sehr entgegen.
Die Anstiege waren am Anfang wirklich sehr moderat und mit der neuen Kassette gut zu treten.
Unser Grüppchen formierte sich immer mal wieder anders. In einem flachen Abschnitt verloren wir dann leider Kathrin und fuhren zu 6 weiter.
Diese Konstellation sollte sich auch bis zum Ende durchziehen.


Ab Kilometer 180 wurde es schon langsam zäh für mich, Marko baute mich auf und sagte:
"du darfst ruhig müde sein.... das ist völlig okay"
Ab Kilometer 200 war der Stecker eigentlich schon gezogen. Wir waren gerade an der zweiten großen Verpflegung, die Kartoffelsuppe mit der Pfefferwurst war echt mega lecker und die Energiebällchen, Käsekuchen, Kaffee, Eiweißbrote mit Frischkäse und den Schluck Cola gaben mir wieder Energie aufs Rad zu steigen.
Marko sagte zwar es wäre keine Schande abzukürzen aber ich hatte beim Alfsee schon die Vorstellung endlich die 300km voll zu machen, also war aufgeben keine Option.

Karsten isst eigentlich nie was auf Touren... das mussten wir Bildlich festhalten

Das Garmin musste geladen werden und Marko steckte es mir mit dem Akkupack in die Rückentasche. Das war zu dem Zeitpunkt eine schlaue Idee, einach mal Radfahren ohne irgendwelche Zahlen vor dem Gesicht.
Noch ein Koffeingel reingedrückt und die Anstiege waren irgendwie auszuhalten. Die Jungs warteten oben auf mich oder Marko kam mir sogar wieder entgegen. An ein, zwei Stellen schob er mich auch mal oder ich durfte mich bei ihm festhalten.
Ich weis ist schummeln aber ich bin für diese Unterstützung mega dankbar.


Bei  Kilometer 250 gab es noch eine kleine Getränkeverpflegung und dort hieß es das schlimmste habt ihr schon geschafft. Total geil war dass das Versorgungsfahrzeug mit Sebastian Sonnefeld uns Teilweise begleitete, anfeuerte und extra Stops für Getränke auffüllen eingelegt hatte.

Bei der nächsten 20% Rampe die zwar nicht wirklich lang war versuchte ich mir den Satz "das schlimmste habt ihr schon geschafft" als Mantra laut vorzureden.
Booah was ein fieser Satz bei den Kilometern.


Ab Kilometer 285 war es nur noch ein Zustand auf meinem Rad.
Ich trat und trat und trat und eine Stimme neben mir sagte sowas wie von "krasse Leistung von dir". Ich vernahm das Stefan für mich antwortete und dachte über die Worte nach.
Nach 5 Minuten hab ich es dann auch geschafft mich selber zu bedanken.
Ab Kilometer 286 sagte ich immer wieder laut noch 14 Kilometer, noch 14 Kilometer, noch 14 Kilometer... immer wenn die Kilometerzahl sprang sagte ich wieder laut noch 13 Kilometer... noch 13 Kilometer... noch 12 Kilometer.... noch 12 Kilometer.
Jeder normaler Mensch hätte wahrscheinlich sonste was gedacht aber ein Mantra laut zu faseln war wie ein Überlebensreflex.
Immer weiter... immer weiter... noch 11 Kilometer... noch 11 Kilometer..... weiter...weiter...komm...komm...noch 11 Kilometer...noch 11 Kilometer...

mein Motto der ganzen Tour 

Der letzte Anstieg zog sich und jeder starb hier für sich allein. Bei Kilometer 292 holte ich mein Handy raus und machte einfach Soundcloud an. Ich brauchte Ablenkung.... einfach was anderes hören.
Die Kuppe kam und keiner war da, aber ich konnte es auch keinem verübeln dass er jetzt einfach weiter fährt. Also machte ich mir die Route auf dem Garmin an und dann sah ich wie Karsten in einer Kurve auf mich wartete. Wir strampelten weiter und plötzlich standen da so viele Menschen auf der Straße. Ich war davon ausgegangen das wir von der anderen Seite nach Neuhaus reinfahren und noch mal den Anstieg zum Hotel hoch müssen aber nein, wir waren am Ziel. Marko (ich war nie weg ;) ) war auch auf einmal wieder da. Stefan auch und wir fuhren Arm in Arm  zum Hotel.




Was ein krasser Scheiß. Wie bescheuert muss man sein das zu machen? Aber zusammen mit anderen sterben und hinterher sich in den Armen legen und freuen das man zusammen einfach total bekloppt ist, ist ein tolles Gefühl.

Ich dachte schon wir sind verrückt aber was  Jan Wiedemann da auf die Beine gestellt hat war einfach nur das i Tüpfecheln des Rennradsports. Man braucht kein großes Tamtam wie Ötztaler.
Man kann es viel geiler und familiärer haben und das in Thüringen!!!

DANKE für die tollen Bilder an Radcore Sonneberg und Kleinteich

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